Mustang
Unser 1979er Mustang ist zurzeit unser Alltagsoldtimer für Oldtimerrallyes und Fahrten zu Veranstaltungen da dank der Hilfe der Firma Führer Classic Cars aus Dortmund stolz ein H-Kennzeichen tragen darf. Zu unserem Bedauern litt der Mustang von Anfang an unter mangelnder Motorisierung in Form des unrühmlichen 2,8 Liter V6 Motors, der auch nur ein halbes Jahr lang in diesem Modell angeboten wurde. Lange Rede kurzer Sinn: Als Motorenfachmann ist diese Motorisierung völlig inakzeptabel. Daher entschlossen wir uns einen kleinen V8 einzubauen. Historisch korrekt gab es dieses Modell mit dem 302er Ford V8. In Ermangelung greifbarer Komponenten entschieden wir uns für eine klassische Hybridlösung: ein Chevy V8 im Mustang. Allen Vertretern der reinen Lehre sei gesagt das ein Ford Motor bestehend aus Aftermarketteilen auch kein Ford ist. Der Spenderblock entstammt der 1975er Corvette von Mike Ratje, was die Sache meiner Meinung nach historisch völlig rechtfertigt. Einen Strokerkit hatten wir noch rumliegen und letztlich wünschte meine Angebetete, dass ich Ihr die Vermeidung einer Untermotorisierung garantiere.
Genauer: Eine 4 sollte bei der Leistungsangabe vorne stehen.
Und da bot der Chevy das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Um ehrlich zu sein: Um diesen Motor zu duplizieren müsste ein Kunde 11000,- Euro über den Tresen schieben denn ohne Block verstecken sich Teile für über 8000,- Euro in und am Motor. Ohne EFI-Anlage versteht sich. Das Ergebnis bisher lautet: 4.06" Bohrung, 3,75" Hub macht 388 cui entsprechend 6360 ccm, im Grunde 6,4 l. Verdichtung 11,8:1, Comp cams solid roller Nocke mit 280°, Edelbrock E-Tech 200 Köpfe, proFlow XT Ansaugbrücke, Trockensumpfschmierung, elektrische Wasserpumpe, Holley Commander 950 EFI. Gekoppelt wird der Motor an ein Automatikgetriebe, das uns Henri aus den Niederlanden aufbaute: TH400R4 mit Overdrive und Lock-up Wandler, Stall speed 2500/min, manuell sequentiell geschaltet. Bald erfolgt der Einbau ins Auto. Dann fehlen nur noch Kleinigkeiten wie Hinterachse, Auspuffanlage, Kardanwelle.
Nun läuft er endlich mit langer Verspätung. Im Herbst haben wir den alten 2,8l V6 Motor ausgebaut und im Februar mit dem Einbau den neuen Motors + Fahrwerks begonnen. Im Grunde passte bis aufs Fahrwerk: NICHTS! Weder Spritzwand, Getriebetunnel, Motoraufhängungen,Kardanwelle konnten wir lassen, auch wussten wir kaum wohin mit der Elektronik für die Motorsteuerung, Elektronik für das Kühlsystem,Zündung,Batterie.... Also: sowas kann man nur machen wenn 1. Die Ehefrau extrem viel Geduld mitbringt weil es Ihr eigenes Auto ist, 2. man niemanden bezahlen muss für die ganze Arbeit und 3. man über eine dezente Werkstatt verfügt mit Bühne, Plasmaschneider,Bandsäge,WIG Schweissgerät,CNC Fräsmaschine,Schlauchpresse,Drehbank und einigen anderen Kleinigkeiten . Habe dann den Mund sehr weit aufgerissen: "Kein Problem, im März 2011 rennt der Mustang. Es war dann wohl eher Juli 2011 und die Fahrt bei der "Ruhrclassics 2011" die wir mitfahren wollten lief dann ohne uns. Von Februar bis Juli jedes Wochenende, jeden Feiertag 8-10 Stunden schrauben, fräsen, schweissen. Ich gebe zu Anfang Juli hatte ich keine Lust mehr, aber jetzt da die Schüssel läuft freue ich mich doch. Und meine himmlische Liebste sowieso. Trotzdem ist der Mustang noch lange nicht fertig. Fahrwerks- und Motorabstimmungen nehmen noch ständig Zeit in Anspruch.
Der Motor teilte uns letzte Woche mit das er jetzt mal gerne den dritten Satz Zündkerzen probieren möchte, nach Standard und Platin gelüstet es ihn nun nach Iridium, und bitte mal einen anderen Wärmewert wo wir schonmal zugange sind....Der Halter für den Kurbelwellensensor ist nun in der dritten Ausführung angepasst und wir hoffen das die Zündung nun zufrieden ist.... Und auf meinen Wunsch haben wir die alte 7.5" Achse rausgeschmissen und eine 8.8" Achse mit Sperre eingebaut wei man ohne Sperre nicht driften kann. Geht echt nicht! Die Frage ob die Achse auf Anhieb passte könnt Ihr Euch selber beantworten.....Die frisch an die alte Achse und das neue Getriebe angepasste Kardanwelle war natürlich auch zu lang..... Im übrigen fährt sich das manuell sequentiell geschaltete 4 gang- Automatikgetriebe angenehm . Und zum Beschleunigen ist es klasse: man haut unter Vollast den nächsten Gang rein und es geht richtig vorwärts. ca 400 PS, 1300 kg. Geht schon....und bei Oldtimerrallyes mit viel Stop and Go über 25 L /100 km Ultimate oder V-Power, geht auch schon...
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Wir sind in Bitburg das erste Mal mit dem Mustang 1/4 Meile gefahren und hatten ein sehr unterhaltsames Wochenende. 260km auf eigener Achse hin , mehrere Läufe und dann 260km wieder zurück. Ohne Probleme, das heißt solange die Tankstellen in Reichweite sind. Der 10 L Reservekanister war des öfteren im Einsatz. Wir haben in Bitburg die 13 sec Grenze nicht geknackt, das haben wir später in Brilon geschafft mit einer Fahrzeit ohne Reaktionszeit von 12,977s .Allerdings war in Bitburg die Endgeschwindigkeit mit 172 km/h etwas höher. Zur Übersetzung: das bedeutet 0-100 km/h in 4,5 s. Damit verbrunzen wir über 70% aller Porsche und über 75% aller Ferrari zumindest in dieser Disziplin und das mit einem Auto mit H-Kennzeichen mit dem sowohl 1/4 Meile als auch Oldtimerrallyes gefahren werden. Auf dem Leistungsprüfstand fanden sich jedoch nur 350 PS statt der erwarteten 400. Die Ursachen liegen zum einen im zu großen Durchgangswiderstand des Luftfilters als auch in den nicht allzu leistungsfördernden Auspuffkrümmern. Der Winter naht und die neuen Fächerkrümmer liegen schon bereit.....


















